Malesco ist im Laufe der Jahrhunderte das einwohnerreichste Dorf im Vigezzotal gewesen. Sein Ursprung geht wahrscheinlich auf die Frühgeschichte zurück; aus der römischen Zeit stammen Gräber, Gerätschaften und die Pflasterung einer antiken Strasse, während die Topografie auf eine longobardische Presenz hinweist. In dieser Zeit muss das Dorf strategisch ein wichtiger Vorposten für den Ort Finero und das Centovalli zum Lago Maggiore hin gewesen sein.
Nach dem Jahre 1000 wurde es landwirtschaftliche Gemeinde und durfte so einer gewissen Freiheit geniessen. Schon im Jahr 1251 konnten zwei seiner Konsule von der Gemeinde Cossogno zwei Almen in der Val Grande kaufen. Diese wichtige Urkunde ist noch heute im Gemeindearchiv von Malesco vorhanden und liegt in einem der acht Sammelordner, in denen die folgenden, langen Streitigkeiten zwischen den beiden Dörfern festgehalten sind. Diese dauerten über ca. sieben Jahrhunderte hindurch an und wurden u.a. auch von schweren blutigen Auseinandersetzungen gekennzeichnet. Die Dokumente enthüllen zudem einige Eigenschaften des täglichen Lebens in dieser landwirtschaftlichen Gemeinde, die streng den religiösen Bräuchen ergeben war und über die bürgerlichen Behörden und deren Normen. Die ältesten stammen aus dem Jahre 1450 und beinhalten Normen "der Nähe", Regeln zur Wahl der Konsule und deren Machtbestimmung. Es folgen Pflichten zur Teilnahme an den religiösen Obliegenheiten, es werden Arten und Zeiten zum Schneiden und Sammeln des Holzes festgesetzt, genaue Normen diktiert zur Bewirtschaftung der Almen, zu den Gehältern der Schäfer und Handwerker; es fehlen Regelungen der Dorfpolizei und der Förster.
Mit der Zeit wurden viele Einwohner veranlasst in andere Länder auszuwandern, wo sie durch ihren Fleiss und Erfindungsreichtum oftmals zu Ruhm und Reichtum gelangten. Dadurch konnten grosszügige Spenden in die Gemeinde fliessen, die die Bekleidung und das Leben allgemein verbesserten. Die Familie Cavalli können sich eines bekannten Anwaltes am Gerichtshof in Mailand rühmen, der später Senator und Minister Maria Teresa von Oesterreich wurde. Die Cioja's wurden Juweliere und Bankiers in Frankreich und in Rom. Dazu gehörte Giacomo Antonio Bernardo, geboren 1701 in Malesco. Nach Paris ausgewandert, wurde er Graf von Monzone, bevollmächtigter Fürst von Modena am Hofe in Frankreich und vertrat diesen tüchtig am Konvent von Aachen. Ebenfalls gebürtig aus Malesco war die Familie des Grafen Mellerio, Freund und Befürworter von Rosmini. Die Trabucchi's, die in ärmsten Verhältnissen nach Frankreich auswanderten, konnten es sich innerhalb kürzerster Zeit leisten dem Dorf ein Krankenhaus zu schenken und die Familie Sotta eröffnete eine wichtige Schule der Malkunst.
Die Gründung des Krankenhauses im Jahre 1832 brachte das Dorf zur Avantgarde im Bereich Gesundheit und Medizin. Jedoch war man schon im Jahre 1700 darüber besorgt einen Dorfarzt zu haben, der den Armen eine kostenlose Versorgung garantieren konnte. Unter seinen Einwohnern kann sich Malesco fähigen Aerzten rühmen, wie z.B. ein Vorfahr des Grafen Mellerio (1631-1697) und zwei seiner Söhne.

Im 18. Jhr. praktizierte im Dorf der Chirurg Giovanni Antonio Cavalli, der in Wien studiert hatte. Sein Werk wurde von seinem Sohn Federico weitergeführt, der nicht nur geschätzter Chirurg, Direktor des Krankenhauses und den Kranken des gesamten Vigezzo- und des nahen Cannobinatales ergeben war , sondern auch geschickter Gemeindeverwalter und Bürgermeister. Er verstand es die Finanzen neu zu ordnen, das Dorf zu verschönern, das öffentliche Bau-und Strassenwesen zu verbessern und ihm eine erste Beleuchtung zu geben.
Schon im Jahre 1801 wurde in Malesco eine Jungenschule eröffnet, die alle Jungen vor Ort besuchen konnten. Dieser folgte im Jahre 1827 eine für Mädchen.
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jhr. eröffnete das Dorf seine Pforten dem Tourismus und hatte das Glück den berühmten Schriftsteller Ettore Romagnoli zu beherbergen. Durch ihn konnte Malesco einige Sommer hindurch eine schöne "Theatersaison" anbieten.
Während des letzten Krieges war Malesco besonders dem Widerstand gebunden. Im Sommer 1944, im Zuge der grossen Säuberungsaktion, litt es unter dem Märtyrertum von 16 Partisanen, die in der Val Grande gefangen genommen, tagelang gequält und letztlich in Finero erschossen wurden. In diesen Tagen weinte auch der kleine Romano Sotta der von den Deutschen überrascht und in den Bergen erschossen wurde. Aus Malesco stammte Oberstleutnant Attilio Moneta Verbindungsoffizier zwischen den Partisanen und der Schweiz, gefallen zusammen mit Alfredo di Dio in den Schluchten von Finero, als im Jahre 1944 die deutschen Truppen und die der Republik Salò den entscheidenden Angriff gegen die freie Republik Ossola eröffneten.
Heute bietet das blühende vigezziner Dorf über das Loanatal auch einen leichten Zugang zum Nationalpark Val Grande an, welcher das grösste Naturreservat Europa's bildet.
Hier kann der naturliebende Tourist inmitten einer unglaublichen Bergwelt, einer Fülle an Vegetation und einer reichen Fauna, die schwachen Spuren einer antiken Bergzivilisation entdecken und kann sich erobern lassen von der Faszination einer unberührten Natur.
Text Anita Azzari
Uebersetzung Gina Minoggio
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